Be-Sinn-ung im Fastenzentrum Kloster Pernegg.

Eine Fastenwoche ist für viele Menschen eine Phase der Be-sinn-ung. Anlässe sind Lebensübergänge, besondere Herausforderungen oder einfach das Bedürfnis einmal anzuhalten. Das Kloster Pernegg hat seinen Gästen jetzt einen besonderen Raum für hierfür geschaffen – eine Themenwelt zu Viktor Emil Frankl in Form von Installationen und Texten. Umgesetzt hat dies Klaus Rebernig, der Geschäftsführer des Klosters Pernegg, zusammen mit dem Designer und Logotherapeuten Clemens Dus und Dr. Harald Pichler, Dozent am Viktor Frankl Zentrum Wien. Am Freitag  dem 15. März 2019 ist die Themenwelt eröffnet worden. 

Viktor Frankl – die Sinnfrage angesichts von Herausforderungen

Wie kein anderer Psychologe hat sich Frankl mit der Sinnfrage des Menschen auseinandergesetzt. Er selbst war im Konzentrationslager Auschwitz interniert. Diese Erfahrung war prägend für ihn und er hat sie in dem Bericht „Trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologie erlebt das Konzentrationslager“ reflektiert. Das Buch ist in einer Millionenauflage erschienen und in alle nur denkbaren Sprachen übersetzt worden.

Von Frankl stammt auch der berühmte Satz: „Jeder hat sein Auschwitz.“ Beziehungskonflikte, berufliche oder gesundheitliche Krisen … das Leben hält manches bereit. Die Frage „Warum ich?“ ist da oft naheliegend. Aber Frankl ist angesichts des erfahrenen Leids nicht bei der Frage „Warum ich?“ stehengeblieben, sondern dreht die Frage um: „Wozu fordert mich das heraus?“ Genau das kann in einer der Installationen der Themenwelt (auch im wörtlichen Sinn) begriffen werden. Ich kann die Frage auf der Lupen ähnlichen Installation drehen und aus „Warum ich?“ wird „Wozu fordert mich das heraus?“ (Abbildung 1 und 2).

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In einem Fenster mit Blick auf den alten Brunnen des Klosters Pernegg: eine von drei an Lupen erinnernden Installationen.

Mit der ersten Frage, „Warum ich?“, suche ich nach den Ursachen – auch um es das nächste Mal zu verhindern. Nicht immer bekomme ich aber hilfreiche Antworten. Vor allem, wenn Bedingungen eingetreten sind, die ich nicht ändern kann, führt die Frage in die Irre. Die Frage „Wozu fordert mich das heraus?“ kann hier in Richtung Problemlösung führen, aus der Opferrolle herausführen und zum Gestalter werden lassen.

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Nicht das Problem macht die Schwierigkeiten, sondern unsere Sichtweise. Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt. Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben Befragte, der dem Leben zu antworten – das Leben zu verantworten hat. Viktor Emil Frankl

Weitere ähnliche Installationen im Klostergang geben Impulse zu den Fragen „Wer bin ich?“ und „Was brauche ich?“. Der Klostergast kann dies in einer Atmosphäre der klösterlichen Stille für sich reflektieren.

Die Dimensionen Körper, Psyche und Geist

Der Kreuzgang ist ein von Wandelgängen umgebener Innenhof in christlichen Klöstern. Hier steht im Kloster Pernegg ein Brunnen. Dieser ist jetzt genutzt worden, um in ästhetischer Weise das besondere Menschenbild Frankls zu veranschaulichen: Die körperliche Dimension ist einem boden- oder auch erdnahen Ring dargestellt. Die psychische Dimension ist im Brunnen über der Wasserfläche installiert. Der Blick hinunter geht in die Tiefe, zeigt mein Spiegelbild. (Abbildung 3) Die dritte, die geistige Dimension ist durch in die Höhe steigende Bögen versinnbildlicht, die mit denen der nahen Kreuzgänge korrespondieren (Abbildung 4). Dr. Harald Pichler sagt auf der Eröffnung dazu, dass hier die Freiheit anfange, die Freiheit, zu den Bedingungen Stellung zu nehmen, über uns hinauszuwachsen.

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Abbildung 3
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Abbildung 4

Die Sinnfrage zu stellen, oder sogar manchmal an der Sinnfrage schier zu verzweifeln, ist für Viktor Frankl nicht ein Zeichen dafür, dass mit einem Menschen etwas nicht in Ordnung ist, oder dass er krank ist – so wie Sigmund Freud es sah. Für Frankl liegt es im Wesen des Menschen, nach Sinn zu fragen, nach Sinn zu suchen. Der Mensch wird immer wieder vor die Frage nach einem Sinn gestellt. Die von dem Wiener Psychologen entwickelte Logotherapie soll dem Menschen auf seiner Suche nach Sinn Beistand leisten.

Stille. Liebe. Sinn.

Das erste große Thema des Klosters war die Stille. Sie ist als großes Gut des Klosters von den Geschäftsführern Florentina und Klaus Rebernig früh erkannt worden. Das Thema war für die beiden am Anfang gar nicht einfach zu vermitteln. Voraussetzung war dafür , sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Auch sie mussten die Stille erst für sich entdecken, wie sie mir gegenüber im Gespräch bekennen. 

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Abbildung 5: Eröffnung der Themenwelt Vi(von links nach rechts) Harald Pichler, Viktor Frankl Zentrum Wien; Petra Sölle, Fastenleiterin; Klaus Rebernig, Geschäftsführer des Fastenzentrums Pernegg; Florentina Rebernig, Geschäftsführerin des Fastenzentrums Pernegg; Sebastian Kreit, Pfarrer von Pernegg Clemens Dus, Designer und Logopädagoge.

Das Thema „Liebe“ wird im „Philosophischen Garten“ in Zitaten aufgegriffen. Dies passt gut: Überall im Kloster ist das Symbol des brennenden Herzens zu sehen, das auch im Logo des Klosters dargestellt ist.

Die Rebernigs haben sich dann gefragt, was der nächste Schritt ist und ihnen ist das Thema „Sinn“ zugefallen – und Dr. Harald Pichler. Die Rebernigs freuen sich, dass sie das Kloster im spirituellen Sinn weiterentwickeln können. Hier wissen sie sich auch einig mit Pfarrer Sebastian Kreit. Auch er sieht in der Themenwelt eine Möglichkeit, die Sinnfrage zu thematisieren – auch ohne überhaupt auf das Thema Religion zu kommen.

Klaus Rebernig betont, dass man, um sich spirituell zu entwickeln, nicht unbedingt nach Nepal fahren muss, sondern man findet auch im eigenen europäischen Kulturkreis wertvolle Impulse.

Mit den Themen „Stille, Liebe und Sinn“ bietet das Kloster Pernegg jetzt wertvolle Impulse für die Gäste und Fastenden. Oder wie Sebastian Kreit es bei der Eröffnung ausdrückte: „Das Leben stellt die Fragen und wir nehmen uns hier Zeit für die Antworten.“

 

 

 

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